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Dokumentation

Verfasser: Liselotte Janda
Bemerkung: aus dem Tagebuch der Frau Janda
Datum der Niederschrift: ?
Jahrgang: ?
Jug.: 3
Fortsetzung des Berichts: LJ01.c.de
Quelle: FG02
Region: Sudetenland, Schönhengstgau, Landskron
Seite: 25
Berichtszeitraum: 17.05.1945 - 21.05.1945

17. Mai. Unser aller grauenvollster Tag. Morgens ist Papa zu seinem Cousin, bei dem wir übrigens wohnen sollten, gegangen. - Das war sein Glück, denn, so um die 10. Stunde war es, da hielt vor der Brauerei ein Lastauto mit zirka 25 bewaffneten, unserer SS gleichenden Männern. Sie stürmten das Haus, es knallte nur so in die Fenster. Plötzlich standen 6 Männer bei uns oben. Es waren Tschechen, Intelligenzler. Alle Männer mußten mit. Sie waren sehr freundlich, aber dann, draußen, wurden sie schon alle mit Hände hoch und mit Kolbenhie­ben abgeführt auf den Marktplatz. Es gingen von uns: Otsch, Papa Zimmermann und der Braumeister. Hannes konnte aufgrund seiner Papiere bleiben. - Um zir­ka 18 Uhr kam Otsch blutüberströmt, den Schädel zertreten, den Körper von Hieben zerfleischt, wieder an.
Ich durfte ihn versorgen und ihm Linderung bringen. Er war tapfer und stark. Man stieg ihm auf den Schädel, um ihn verdreschen zu können! Seine Schilde­rungen waren unfaßbar. Gleich kam auch ein Arbeiter blutüberströmt mit einer Schädelwunde und zerschmettertem Bein. Ich habe auch da erste Hilfe geleistet. Papa Zimmermann kam nicht! Der Braumeister blieb auch aus.
Es war alles wie das Jüngste Gericht...Es wurde gemordet, geprügelt, ertränkt und erhängt, und dabei waren sogar Frauen, die das forderten: 16jährige Jungs und 60jährige Männer. Papa kam um 1/2 eins nach Hause. Er kam mit zwei Kinnha­ken davon, die ihm ein Russe verabreicht hatte. Sein Rauchzeug und Messer wurde er auch los. Er hatte Zähne verloren!

18. Mai. Abends kamen Papa Zimmermann und der Braumeister ebenfalls völlig erschöpft nach Hause. Sie mußten beim Verhör verweilen. Es waren Männer, die dem grauenvollsten Tod ins Auge sahen. Wir waren alle vernichtet, seelisch gebrochen und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Um einen ra­schen Tod dachte ich immer wieder, wenn ich die gequälten Männer sah.

21. Mai. Morgens um 6 Uhr kam eine tschech. Wache und schleppte die oh­nehin so fertigen Männer wieder auf den Marktplatz. Papa durfte bleiben. Es waren entsetzliche Stunden, die vergehen mußten, bis es hieß, daß die Männer abtransportiert werden. Alle Frauen Landskrons liefen, um noch rasch ein gutes Packerl herzuschaffen. Spät nachmittags kam es anders. Der Großteil der Män­ner durfte nach Hause.

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