de en

Dokumentation

Verfasser: Liselotte Janda
Bemerkung: aus dem Tagebuch der Frau Janda
Datum der Niederschrift: ?
Jahrgang: ?
Jug.: 3
Quelle: FG02
Region: Sudetenland, Schönhengstgau, Landskron
Seite: 25-26
davor liegender Teil des Berichts: LJ01.b.de
Berichtszeitraum: 21.05.1945 - 28.05.1945

24. Mai. In Rudelsdorf gewesen, Straßenbild grauenhaft.

26. Mai. Rudelsdorf gewesen. Abfahrt für Deutsche untersagt. Um 1/2 10 beim národní výbor (Nationalausschuß) für Otsch die Reisebewilligung erreicht!

27. Mai. Otsch mit Familie um 1/2 7 nach Rudelsdorf zur Bahn. Abends nicht zurückgekommen, vielleicht gut durchgekommen. Gott gebe es! Papa und Mama beim národní výbor Reiseerlaubnis abgelehnt. Können nicht nach Hause fahren. Papa versucht durch einen Tschechen alles durchzusetzen. Wenn alles schief geht, fahren wir schwarz. Wie müssen nach Hause. Am liebsten würde ich hier bleiben, bis ich Gelegenheit hätte, bis Znaim zu fahren. Wir müßten alles wieder zurücklassen und nur mit dem notwendigsten Handgepäck fahren. - Nachmittags mit Urserl und Mutti am Friedhof gewesen. Die Massengräber sprechen eine stumme Sprache. Die Betroffenen tragen ihr Leid groß und stark.

28. Mai. Mein Ranzen ist gepackt. Die Fahrt hängt wohl noch in der Luft. Mit Urserl im Garten. Viel an Kuterli gedacht. Wie es ihm wohl gehen mag. Wann werden wir uns wiedersehen, Burschl meines? Ich will auf dich warten und nicht verzweifeln.

Hier bricht das Tagebuch ab. Frau Janda kam nach Littau ins KZ als unbezahlte Zwangsarbeiterin. Ihre Tochter wurde ihr genommen, sie hungerte sich bei einer fremden Frau durch. Im Juli 1946 wurden beide, "weil Österreicher", nach Brünn, Wien entlassen. Ihre Schwiegermutter und ihre Schwägerin, der ihre beiden Kinder ebenfalls genommen wurden, kamen erst 1947 frei. Ihr Schwiegervater, zu 8 Jahren Kerker verurteilt, kam schwerkrank im August 1950 frei; er war die ganze Zeit im berüchtigten Zuchthaus Mürau.

http://www.kreis-landskron.de/