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Dokumentation

Verfasser: Herr Waschitschek
Datum der Niederschrift: ?
Jahrgang: ?
Jug.: 3
Quelle: FG02
Region: Sudetenland, Schönhengstgau, Landskron
Seite: 28-39
davor liegender Teil des Berichts: XW01.b.de
Berichtszeitraum: 21.05.1945 -

Die kommenden Wochen brachten ständig neue Erlässe und unter Androhung der Todesstrafe mußten sofort folgende Sachen abgegeben werden: Uniformstücke und Gegenstände aus Wehrmachtsbeständen, Motorfahrzeuge aller Art, Fahrräder, Schreibmaschinen, Fotoapparate, Radios, Staubsauger, Musikinstrumente, Noten, Bücher, Ski, Skischuhe, hohe Stiefel, Gold und Silber, auch Eheringe, Briefmarkensammlungen, Gemälde, Teppiche, Uhren, Pelze, wertvolles Porzellan, Nähmaschinen und Jagdwaffen. Das Tragen der weißen Armbinde für in Arbeit stehende Personen mit dem Buchstaben P" wurde angeordnet. Die Einkaufszeiten für Deutsche waren für die Abendstunden festgesetzt. Alle Deutschen mußten unentgeltlich arbeiten. Ab 19 Uhr durfte kein Deutscher die Straße und die freien eigenen Grundstücke betreten. Frauen und Jugendliche mußten Straßen kehren, auch an Sonn- und Feiertagen. Städte und Dörfer durften ohne Passierschein nicht verlassen werden. Der Passierschein kostete 10 Kronen und wurde in den seltensten Fällen ausgestellt. Verbot, Verkehrsmittel aller Art zu benützen. Weiter wurde die deutsche Bevölkerung zum Kinobesuch (Hetzfilme) gezwungen und dies durch einen Stempel im Haushaltspaß vermerkt, sonst Entzug der Lebensmittelkarten.

Lebensmittelkarten für Deutsche für einen Monat:
Fleisch: , Käse: , Eier: , Mehl: , Milch: nur für Kinder bis zum 6. Lebensjahre, Brot: 7300 g für Deutsche besonders gebacken, Zucker: 1200 g, Nährmittel: 300 g, Kaffee-Ersatz: 200 g, Fettstoff: 110 g.

Am 19. Februar 1946 ging der erste Transport vom Lager Landskron nach Deutschland ab. Bei ungenügender Ernährung und der schweren Arbeit, zu der laufend Deutsche herangezogen wurden, erreichte die Sterbeziffer eine bis dahin nie gekannte Höhe. Besonders die Kindersterblichkeit war erschreckend. In einem Zeitraum von 14 Tagen starben im Lager Landskron über 20 Kinder. Aus diesem Internierungslager wurden laufend deutsche Menschen, besonders Frauen, zur Zwangsarbeit ins tschech. Gebiet verschickt. Sie wurden hier zu Arbeiten eingestellt, die weit über ihre körperlichen Kräfte gingen. Frauen arbeiteten in Ziegeleien oder in der Landwirtschaft bei ungenügender Verpflegung.

In den Spätsommertagen des Jahres 1945 wurden die Schwerkriegsversehrten des Kreises Landskron gesammelt und in das Lager Kukleny bei Königgrätz gebracht. Daß selbst das international anerkannte Zeichen des Roten Kreuzes die Tschechen an Grausamkeiten gegen die ohnehin vom Schicksal schwer gezeichneten Menschen nicht hinderte, mag als ein weiterer Beweis gelten, daß selbst vor diesen Unglücklichen nicht haltgemacht wurde. Dem Einschreiten russ. Kommandostellen ist es zu verdanken, daß dieses Lager aufgelöst werden mußte und der Rücktransport der Schwerkriegsbeschädigten in ihre Heimat angeordnet wurde. Im Lager selbst spielten sich täglich unbeschreibliche Szenen ab. Besonders in der ersten Zeit wurden hier die Deutschen als Freiwild betrachtet, auf das jeder Tscheche die Möglichkeit hatte, Jagd zu machen. Die ohnehin spärliche Habe der Deutschen wurde beim Betreten des Lagers genauest untersucht, brauchbare Gegenstände beschlagnahmt und gute Gegenstände durch minderwertige ersetzt. Im Verwaltungsgebäude des Lagers wurden die beschlagnahmten Gegenstände gestapelt und des öfteren abtransportiert. Federbetten durften nur mit einem Bezug ausgestattet sein, gute Bekleidungs- und Wäschestücke verfielen ausnahmslos der Beschlagnahme. Wollsachen und Lederwaren, Pelze und Schmuck wurden restlos abgenommen.

In vielen Fällen waren ganze Familien zu Arbeitsleistungen in den verschiedensten Orten der Republik getrennt eingesetzt worden. Dem Ansuchen um gemeinsamen Abtransport wurde nur in den seltensten Fällen Rechnung getragen. Da nur in den seltensten Fällen kleinere Beträge der gesperrten Sparguthaben vom národní výbor freigemacht wurden, die Deutschen zwar Arbeit aber keine Verdienstmöglichkeit hatten, meldeten sie sich zum Abtransport ins Reich. Nicht immer wurde ihrer Bitte entsprochen.

http://www.kreis-landskron.de/